Der Strickerbrunnen
Unzählige
Male war er die vergangenen Jahre Thema in den Sitzungen: in der Fragestunde der Bürger*innen und beim Thema Anfragen im Ortschaftsrat. Immer dieselben Anliegen: Warum läuft er nicht? Bis wann
wird er repariert? Die Ergenzinger Verwaltung leitet es an die Stadtverwaltung, genauer an die Stadtwerke, weiter und dann – ja dann hört man nichts mehr, außer, dass „das Problem geprüft wird“.
Bis zum heutigen Tage. Warum nimmt sich die Stadt nicht endlich des Themas an und holt sich die Expertise von den fachkompetenten Mitgliedern des ehemaligen „Ergazenger Heimatkreis
e.V.“?
In deren Buchausgabe „Lebenszeichen – Die Wasserversorgung in Ergenzingen (2006)“ ist die Einzigartigkeit der
Ergenzinger Brunnenstuben dokumentiert: vom Landesdenkmalamt Tübingen als besonders schützenswert eingestuft ist es bisher das einzig bekannte noch
funktionsfähige Wasserversorgungssystem in Baden-Württemberg. In Anbetracht der global befürchteten Wasserknappheit in der Zukunft ist dies ein unschätzbares Kleinod für eine Gemeinde. Und
eben an diesem Brunnensystem hängt das Wohl des Strickerbrunnens.
Wir von der BfE-Fraktion haben uns bei den Experten, Helmut Schäfer und Bernhard Katz, erkundigt:
1967 wurde der Brunnen mit der Strickerfigur von Steinmetzmeister Ernst Miller mit einem Festakt unter großer Beteiligung des Dorfes eingeweiht.
Ein schöner kleiner Platz mit Bänken zum Verweilen ist
in der Bergstraße entstanden.
Und heute?
An der wasserlosen Figur nagt der Zahn der Zeit, der leere Brunnen wird von Respektlosen als Abfalltrog missbraucht und Risse zeugen vom desolaten Zustand.
Nach Einschätzung der beiden Experten muss der Brunnen dringend restauriert werden.
Aber warum kommt kein Wasser?
„Hat das Reservoir Wasser, so muss auch der Brunnen laufen“, lautet die Aussage.
Welches Reservoir?
Es wurde Ende des 19. Jhdt. zur Verbesserung der Wasserversorgung in Ergenzingen gebaut, fasst circa 140 m³ und speist sich – immer noch - aus 2 Quellen: der Edelmann- und der sog.
Weiherwiesenquellen. Fließt im Schacht im Göttelfinger Tal das Wasser mit 50l/min, dann kommt auch Wasser im Reservoir in Ergenzingen an. Das Reservoir befindet sich auf einem Gelände nahe des
Wohngebiets Baisinger Weg und ist derzeit zu 1/3 gefüllt. Die „Edelmann-Wasserleitung“ hat auf ihrem Weg zum Reservoir in Ergenzingen eine Abzweigung zum strickerbrunnenvon einem Schacht aus, der
sich in unmittelbarer Nähe des Strickerbrunnens auf Privatgelände (Bergstraße 37) befindet. Ein eventuelles Leck im Verlauf der Edelmannquellleitung vom Göttelfinger Tal aus zu finden, ist wohl
schwierig, da sich das gesamte Leitungssystem u.a. unter privaten Grundstücken oder versiegelten Straßen befindet.
Es gibt jedoch einen Plan B:
Zwischen Strickerbrunnen und dem Wasser zuführenden Anschluss im Schacht der Bergstraße wurde damals vom Ergazenger Heimatkreis e.V. am Verteiler in
weiser Vorausschau ein neuer möglicher Anschluss für den Strickerbrunnen angebracht. Für 2/3 des Weges vom Schacht zum Strickerbrunnen liegt bereits ein neues Kunststoffrohr im Boden, an welches
man den Strickerbrunnen mit einer kleineren Baumaßnahme neu anschließen könnte, wenn Inspektion und Säuberung der jetzigen Zuleitung zwischen Strickerfigur und Schacht ohne Erfolg
bleiben.
Es gibt also Möglichkeiten, den Brunnen wieder zum Laufen zu bringen – man muss nur Wollen und die entsprechende Investition tätigen.
Am Mittwoch 23.08.2023 erschien im Schwäbischen Tagblatt ein Artikel über die Renovierung des
Marktbrunnens („Damit der Rottenburger Marktbrunnen wieder von innen glänzt“).
Darin teilt die städtische Pressesprecherin Birgit Reinke mit, dass „etwa alle 5 Jahre
eine routinemäßige Instandhaltung“ nötig sei.
Ich frage mich da schon, wie oft die Stadt eine routinemäßige Instandhaltung der Ergenzinger Brunnen durchgeführt hat. Ich kann mich während meiner
kommunalpolitischen Arbeit seit 1999 an keine erinnern.
Dann wird es aber jetzt Zeit und zwar schnell – verehrte Stadtverwaltung.
Wir werden das Thema mit Nachdruck verfolgen.
Hinweis:
Die Kolpingsfamilie, die den Strickerbrunnen 1967 erstellte, feiert nächstes Jahr ihr 75- jähriges Jubiläum
mit vielen Highlights über das Jahr verteilt. Aus diesem Anlass soll im Frühjahr 2024 auch am Strickerbrunnen ein Festakt stattfinden und auf Palmsonntag ein Osterbrunnen dort geschmückt werden.
Ein Strickerbrunnen, der dann nicht läuft und instand gehalten ist, wäre sehrbedauernswert.