Wassermangel im Gäu – das wird teuer!

Seltenbach nach dem Regen am 25.08.2023
Seltenbach nach dem Regen am 25.08.2023

Satte 4,7 Millionen Euro muss die Gäuwasserversorgung investieren, damit wir in Zukunft nicht auf dem Trockenen sitzen. Diese Millionen zahlen wir Verbraucher über den Wasserpreis. Jetzt erreicht die Erderwärmung unseren Geldbeutel.  

 

Was wäre Rottenburg ohne den Neckar?

 

Unsere Flüsse und Seen prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch das Leben der Menschen und die Kultur der Region. Diese Gewässer tragen zur Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt bei. Die majestätischen Flüsse Rhein und Donau durchziehen unser Bundesland, sie haben im Laufe der Jahrhunderte Geschichte geschrieben und sind Teil unserer Kultur. Der Rhein hat schon immer Dichter, Maler und Musiker inspiriert. Der Neckar verleiht Städten wie Heidelberg, Stuttgart und Rottenburg eine besondere Atmosphäre. Was wäre Rottenburg ohne den Neckar? Was wäre Baden-Württemberg ohne den Bodensee?

 

 

 

Diese großen Gewässer gäbe es nicht ohne die zahlreichen Quellen und Bäche, die die Landschaft durchziehen und eine stetige Versorgung mit frischem Wasser sicherstellen. Doch das ändert sich gerade: Bäche fallen trocken, die Schüttung der Quellen lässt nach und die Grundwasserpegel sinken.  
Der Seltenbach (Foto hier am 25.08.2023) führt nur nach einem Regenschauer genug Wasser.

 

Die Entwicklung des Grundwassers in Baden-Württemberg wird aktuell zu einer Herausforderung die mit der nachhaltigen Nutzung dieser lebenswichtigen Ressource einhergeht. In den letzten Jahren hat sich die Grundwassersituation in Süddeutschland stark verändert, was auf eine Kombination aus natürlichen Gegebenheiten und menschlichen Aktivitäten zurückzuführen ist. Die Klimakatastrophe stellt die größte Bedrohung für das Grundwasser dar. Veränderte Niederschlagsmuster und längere Trockenperioden führen zu sinkenden Grundwasserständen, was wiederum ökologische Auswirkungen auf Flora und Fauna sowie auf die problemlose Verfügbarkeit von Wasser hat.  

 

 

 

 

Defizit bei der Wasserversorgung

 

Auch die Gäuwasserversorgung hat sich dem Ziel verschrieben, hochwertiges Trinkwasser für seine Abnehmer bereitzustellen und verantwortungsbewusst mit den Wasserressourcen umzugehen, dabei steht sie vor Herausforderungen wie Bevölkerungswachstum, Klimawandel und variierendem Wasserbedarf. An heißen Tagen gibt es bereits heute ein deutliches Defizit zwischen dem Wasserbedarf, dem verfügbaren Quellwasser und den von der Bodensee-wasserversorgung gelieferten Mengen.  Im Januar 2022 erfolgte daher der Spatenstich für eine 4,7 Mio. Euro teure Anschlussleitung an die Wasserversorgung Kleine Kinzig. Über den Anschluss an diese Trinkwasser-Talsperre kann die Gäuwasserversorgung künftig zusätzliches Wasser beziehen und dadurch ihr aktuelles Defizit an heißen Tagen ausgleichen.

 

 

 

Chemie im Grundwasser?

 

Normalerweise drückt das Grundwasser an vielen Stellen nach oben und speist dadurch Bäche und Flüsse (exfiltriert) mit klarem Wasser. Jetzt versickert das Wasser, z. B. der Seltenbach im Rommelstal, in den Untergrund (infiltriert) und trägt die enthaltene Schadstofffracht aus der Kläranlage direkter als bisher in das Grundwasser ein. Wir reichern das Grundwasser zunehmend mit Abwasserinhaltsstoffen an – mit Resten von Medikamenten und Haushaltschemikalien. Die Wissenschaft empfiehlt daher dringend regional abgestimmte Konzepte zur Verbesserung der Grundwasserneubildung (VDI Nachrichten, August 2022).

 

 

 

Niederschläge müssen wieder versickern!

 

Die Bemühungen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Grundwasserbestände sind von entscheidender Bedeutung, um langfristig eine stabile Wasserversorgung zu sichern. Wir benötigen in Zukunft eine nachhaltige Wasserwirtschaft, dazu gehören die Förderung der Wassereffizienz, die Rekultivierung von Feuchtgebieten zur Wasserspeicherung und die Erhaltung der Ökosysteme, die eng mit dem Grundwasser verbunden sind. Regenwasser darf nicht länger in Abwasserkanälen verschwinden, möglichst viel davon sollte versickern. Durch die Schaffung neuer Versickerungsflächen (Entsiegelung), können wir unser Grundwasser schützen. Wir alle können Trinkwasser sparen: Duschen statt Vollbad, Wasch- und Spülmaschine immer voll machen, WC-Spülung mit Stopp-Taste nachrüsten. Zum Garten Gießen, zum Putzen und für die Toilettenspülung kann ohne weiteres sauberes Regenwasser verwendet werden.